Bisher war es schwer ohne Verhaltenskodex im Internet. Doch Abhilfe ist in Sicht…
Ziel es sei, gemeinsam mit den Verantwortlichen sowie jugendlichen Nutzern einen Verhaltenskodex zu entwickeln. Außerdem müssten minderjährige Internet-Surfer über die Gefahren des Netzes aufgeklärt werden - zum Beispiel darüber, "dass sich Erwachsene mit üblen Absichten in ihre Chats einschleichen können".
Nun ist es ja so, dass sogenannte "Nettiketten", die das höfliche und respektvolle Miteinander im Internet definieren, schon seit Jahren an allen Ecken und Enden des virtuellen Raums zu finden sind. Zusätzlich kann jeder auf seine eigene Sozialisation bezüglich Höflichkeit und Respekt bauen. Es ist also nicht so, dass die Leute den Browser anmachen und plötzlich zivilisatorisch auf einer Stufe mit den Neandertalern stehen (nichts gegen Neandertaler!).
Auch die nicht zu vernachlässigende Gefahr für Kinder und Jugendliche in Chats ist nichts vollkommen neues, sondern in gewisser Weise das virtuelle Pendant zum "zu Fremden ins Auto steigen". Und irgendwie scheinen die meisten Eltern ihren Kindern beibringen zu können, dass man das nicht tut, auch ohne überengagierte Familienministerinnen, die im Eifer des Wahlkampfs irgendwelche Verhaltenskodizes aufstellen müssen.
Trotzdem lässt es sich nicht verleugnen, dass im Internet häufig mal Leute über die Stränge schlagen und sich nach wie vor äußerst unkoschere Personen in den Chat-Räumen aufhalten. Doch wo liegt dann das Problem?
Könnte es vielleicht sein, dass Kinder allein gelassen bezüglich Internet? Dass Eltern ihnen zwar alles mitgeben, beim Aufwachsen in der realen Welt, sie aber beim Erfahren der virtuellen Welt sich selbst überlassen, da sie selbst keine Ahnung davon haben? Und wenn dem so ist, was bringt ein Wahlkampfgeschrei nach Benimm-Regeln im Internet, wenn die Generation, die dafür zuständig ist, die Werte der Gesellschaft an die nächste Generation zu vermitteln, auf einem riesigen Feld schlichtweg versagt?
Wir können alle möglichen Verhaltenskodizes unters Volk streuen, ändern wird sich allerdings erst etwas, wenn junge Menschen nicht mehr alleine in die virtuelle Welt stolpern, sondern wenn sie dabei an die Hand genommen werden von Menschen, die schon länger in dieser Welt zu hause sind und ihr Wissen und ihre Werte weitervermitteln können. Genauso, wie es seit Jahrtausenden in der realen Welt Standard ist.
Trotzdem danke, Frau von der Leyen, für ihr hohles "Ich nehme die Herausforderung Internet ernst"-Wahlkampf-Gebrabbel.
Weiterführende Links:
elcario
– 23.7.2009Es geht nur über die Bildung und damit über die Vermittlung von Medienkometenz, das hast Du genau richtig erkannt!
Den Kodex kann sie sich in die Haare schmieren. Hilflosigkeit hoch zehn!
Emanuel
– 24.7.2009medienkompetenz ist ein gutes stichwort. auch wenn man solche augenwischerei beim wahlvolk ganz gut ohne diese betreiben kann.
Nils
– 31.7.2009ja, das mit der Medienkompetenz ist doch gerade erst schwer im kommen – ich erinner gern an Sätze wie "Was ist ein Browser" und oh, die ganzen jung-dynamischen Politiker, die neuerdings twittern ... Pffff.