Macht DesignenLassen.de den Markt kaputt?

Auf dem Fontblog wurde heute ein offener Brief von Stefan Maas an den Online-Dienst DesignenLassen.de veröffentlicht. (Link zu DesignenLassen.de)
Es geht darum, dass das Geschäftsmodell die Preise kaputt mache und den Stand der Designer generell schädige. In den Kommentaren fallen Begriffe wie "Ausbeutung" und "moderne Sklaverei", und wenn man sich das Konzept von DesignenLassen.de anguckt, hat man das Gefühl, dass das gar nicht so weit hergeholt ist.
Trotzdem finde ich, dass bei der Debatte oft zu kurz und zu emotional gedacht wird. Ich wollte deshalb einen Kommetar dort zurücklassen, der relativ schnell Ausmaße erreichte, die problemlos einen Blogpost hergeben. Deshalb veröffentliche ich ihn nun auch hier:
Generell gilt, wer mit Peanuts zahlt, bekommt Affen. Von daher werden in den meisten Fällen nur Unternehmen auf den Service von DesignenLassen.de zurückgreifen, die entweder nicht das nötige Geld für einen Designer haben oder es nicht ausgeben wollen. Diese Unternehmen würden alternativ wahrscheinlich gar kein "Design" kaufen.
DesignenLassen.de schöpft also die kleinen Beträge ab, wo unter normalen Umständen gar kein Geld fließen würde. Das wiederum würde ich grundsätzlich nicht als verkehrt bezeichnen.
Auf der anderen Seite bieten auf DesignenLassen.de doch nur Designer ihren Dienste an, für die diese Preise in Ordnung sind. Auf Leute, die professionell in diesem Bereich arbeiten, wird das grob geschätzt einfach nicht zutreffen. Vielmehr betätigen sich dort Menschen, die den Design-Kram nur hobby-mäßig nebenbei machen und nun die Möglichkeit haben, auch ein paar Euros damit zu verdienen, oder junge Designer, die noch einen Fuß in die Tür kriegen müssen.
Für letztere ist DesignenLassen.de sicherlich besser, als ein Jahr unbezahltes Praktikum in einer pseudo-hippen Werbeagentur. Und wenn man wirklich was von seinem Handwerk versteht, wird sich die Liste an Kontakten und Referenzen schnell füllen, so dass man früher oder später richtige Aufträge machen kann, von Auftraggebern, die ein wirklich individuelles Design wollen und bereit sind, den entsprechenden Preis zu zahlen.
Natürlich besteht die Gefahr, dass Leute angesichts des Angebotes von DesignenLassen.de auf den Trichter kommen, ein gutes Design wäre günstig zu haben, aber auch die werden merken, dass Qualität ihren Preis hat. Und alle anderen geben dann halt mal 100 Euro aus, anstatt das neue Firmen-Logo für umme vom Neffen machen zu lassen, weil der gut mit MS Paint um kann.
Deshalb mein Fazit: Ruhig bleiben und keine voreiligen Schlüsse ziehen und den Weltuntergang antizipieren. Wenn man mal nicht direkt den Teufel an die Wand malt, stellt sich DesignenLassen.de eher als Chance für Amateure, denn als Gefahr für Profis heraus.
Meine zwei Cents, vielen Dank.
jksimpson
– 30.7.2009Was sich dahinter verbirgt ist vermutlich die Angst vor solchen "Handwerkerauktionen" wie my-hammer.de (man kann auch "Handwerker Billig" bei Google eingeben), die dazu führen, dass sich die Kleinbetriebe so gegenseitig unterbieten, dass sie von ihrem Handwerk nicht mal ansatzweise leben können, sondern eher noch draufzahlen. Gut für den Kunden (vorausgesetzt, das Ergebnis ist befriedigend), katastrophal für die Branche.
Michael Kubens
– 30.7.2009Hallo Manuel,
danke für Deinen Kommentar zu unserem Projekt designenlassen.de. Schön dass Du beide Seiten (Auftraggeber und Designer) siehst und auch die Chancen ansprichts, die in dem Konzept stecken.
Viele Grüße aus Nürnberg, Michael Kubens
designenlassen.de
Emanuel
– 30.7.2009@jksimpsons: ich kann verstehen, dass diese angst besteht. aber im gegensatz zu myhammer.de o.ä. gibt es bei designenlassen.de nicht dieses auktionsprinzip. der preis wird vom auftraggeber festgelegt und bleibt auch so, wenn ich das richtig verstanden habe.
was man dann noch kritisieren kann, ist die tatsache, dass die entwürfe für lau gemacht werden. aber das ist ein allgemeines problem in der branche (stichwort pitch) und nichts neues.
trotzdem wäre es natürlich interessant, die entwicklung dieser seite einmal von mehreren perspektiven aus zu beobachten und die auswirkungen dieses services empirisch festzuhalten. denn insgesamt ist das ja alles hier ein stochern im trüben.
@Michael Kubens: kein ding. ich heiße übrigens Emanuel
Nils
– 31.7.2009Und ich finds eigentlich immer noch ne Sauerei, die Branche versklavt sich ja eh schon selbst, so wird es doch nur noch schlimmer. Aber gut, das haben wir ja schon ausreichend disktutiert =)
Sandale
– 16.8.2009Es ist völliger schwachsinn zu behaupten höhrere Preise bessere Qualität.
Die Designs die da teilweise zu Witzpreisen ann die Kunden gehen sind überwiegend erstklassige Arbeiten, die eine moderne Topagentur auch nicht hätte besser machen können, dazu kommt das Kunst nachwie vor im Auge des Betrachters liegt.
Aber wie in allen anderen Kunstsparten auch, sind 99.9% sehr arme Leute und müssen gucken wie sie über die Runden kommen und weltweitbekannte Namen spucken auf Papier und kassieren tausende von Dollars dafür. So wurde also zwangsläufig eine Pariser Kunstszene ins Leben gerufen, die die armen Hunde aufs Korn nimmt und bluten lässt.
marco
– 13.12.2009Ich bin der Meinung das es für eine Arbeit auch angemessene Vergütung geben muss, alles andere führt zum dumping.
Es wird oft behauptet das die Qualität auf designenlassen.de nicht gut wäre. Dem stimme ich LEIDER nur bedingt zu. Einige Sachen sind wirklich gut und ich verstehe nicht wie man sich so billig hergeben kann. Wenn es ein Hobby ist schön, aber dadurch sollte man anderen Personen, die davon Leben nicht die Arbeit kaputt machen. Das Problem ist das man ganz einfach rumdesignen kann, mal eben Photoshop und sonstige Software geklaut und los gehts. Es kann mir keiner erzählen, dass man zu den Preisen, so etwas wie gekaufte Software einkalkuliert. CROWDSOURCING ist und bleibt ein Mittel zum dumpen und macht anderer Leute Arbeit kaputt.
Und nebenbei, sind die meisten Leute mit müll zufrieden, Hauptsache billig. Wie war das: GEIZ IST GEIL, Hauptsache billig......
wolfgang schröpfer
– 7.2.2010Hallo zusammen,
schön wär´s ja, wenn die Steuerfahndung mal bei den Designern vorbeischauen würde. Dann hätte sich das tolle Geschäftsmodell von Herrn Kubens schnell erledigt. Aber die haben hoffentlich lukrativere Ziele. Was ich damit sagen will: Da wird nicht nur eine Branche geschädigt, sondern auch noch die Allgemeinheit.
Emanuel
– 7.2.2010@wolfgang schröpfer: ich denke, die meisten werden dort nicht in dem maße umsätze generieren, als dass es für das finanzamt interessant wäre. ob die nun ein kleingewerbe angemeldet haben oder nicht, ist für den fiskus nicht relevant.
und die, die dort nennenswerten umsatz machen und das nicht versteuern, werden sicherlich früher oder später vom finanzamt hören.
allerdings haben die meisten leute mit designenlassen.de nicht deshalb ein problem, weil es zu schwarzarbeit bzw. steuerhinterziehung einlädt
Christian
– 24.2.2010Es wird den Markt kaputt machen. Ganz einfach weil es eine geniale Idee ist (Online-Pitching) und weil es Signalwirkung für die Auftraggeber hat. Solange es Nachwuchs-Designer gibt die bereit sind für lau hochwertige Entwürfe abzugeben wird das Angebot bestehen bleiben. Designer-Nachwuchs wird es global betrachtet immer geben; selbst im schlimmsten Fall, wenn D verarmen sollte und sich hierzulande kein Mensch mehr eine Ausbildung zum Designer leisten könnte.
Ich wage die Prognose dass es in dieser Richtung bald Nachahmer geben wird oder sogar Angebote die über den jetzigen Umfang noch weit hinaus gehen. Im Prinzip könnte man fast alle Tätigkeiten einer Werbeagentur über solche Portale outsourcen.
Emanuel
– 25.2.2010naja, ob man alle tätigkeiten und prozesse in solche portale auslagern kann, weiß ich nicht, aber für die akquise ist es natürlich sehr praktisch.
und auch sonst braucht man für kleinere sachen keinen persönlichen kundenkontakt mehr, da reicht die elektronische kommunikation vollkommen. und um kleinere sachen geht es ja hier. von daher stimme ich dir zu, dass designenlassen.de in der richtung nur der anfang sein wird.
davon abgesehen bleibt die design-branche ein tätigkeitsfeld mit hohem "sex appeal", so dass es nie schwer sein wird, leute zu finden, die zu inakzeptablen bedingungen arbeiten, nur um dabei sein zu können.
Peter Wencker
– 10.3.2010Meine Design Studio ist zwar nicht Kunde von DesignenLassen.de, dennoch lobe ich das Konzept! Eine kleine aufstrebende Firma kann sich mit "kleinem" Geld auch ein Firmenlogo leisten! Die Entwuerfe sind keineswegs fachlich unwuerdig, sondern sind meist hochwertige Logos, die anderen Kunden angeboten wurden, die sich jedoch ein anderes aus dem Sortiment des Designers gewahlt haben. Also liebe Designer Kollegen, mit etwas weniger Arroganz und toleranterem Umgehen miteinander werdet ihr irgendwann das Konzept von DesignenLassen als ausgezeichnete Idee verstehen. Jeder Designer, der dieses Konzept oder diese Website kritisiert, hat Angst vor seinen eigenen zu hohen Preisen oder versteht nichts von Marketing! Ja, ich werde nun mal schnell rueber surfen und bei DesignenLassen ein Konto eroeffnen.