Netzwahlkampf — Wunsch und Wirklichkeit

Wenn man sieht, mit wieviel Inkompetenz und Selbstherrlichkeit die Politik an das Thema Internet rangeht, kann einem Angst und Bange werden.

Andererseits ist es ziemlich amüsant zu sehen, wie sie mit der gleichen Imkompetenz und Selbstherrlichkeit an das Thema Netzwahlkampf rangeht. Natürlich bietet das Internet ganz neue Möglichkeiten und man kann sagen, dass es ein sehr schnelles Medium ist, was die Informationsverbreitung angeht. Allerdings wird dabei der Umstand etwas vernachlässigt, dass das Internet gleichermaßen ein entschleunigtes, bi-direktionales Dialog-Medium ist.

So kann in Zeiten des Wahlkampfs jede/r halbwegs rethorisch begabte/r Volksvertreter/in auf dem Marktplatz auf einen einreden, bis man mit einem Jute-Beutel voll Info-Material nach hause geht, und sich womöglich noch das Versprechen hat abringen lassen, sie/ihn zu wählen. Im Internet freilich sieht das anders aus. Da kommt man nicht nur zu Wort — sei es nun in Blog-Kommentaren oder in Diskussionen in irgendwelchen Social Communities —, sondern hat auch noch die Zeit seine Worte sorgfältig zu wählen (auch wenn das nicht immer jedem "Troll" gelingt).

Des weiteren ist im Internet theoretisch jeder eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Entweder explizit, oder aber indirekt aufgrund des Umstandes, dass man nicht ausgeschlossen werden kann. Der Dialog findet also auf einer ganz anderen Ebene statt bzw. es findet überhaupt ein Dialog statt. Man kann als Politiker/in also nicht einfach drauf los parlieren, sondern muss sich auch — möglichweise unangenehmen — Fragen stellen und hin und wieder offen rechtfertigen, was überlegt geschehen sollte, da das inhaltslose, unreflektierte Parlieren wiederum zu neuen — möglichweise unangenehmen — Fragen führt.

Das sind sicherlich keine neuen Erkenntnisse, aber wozu mache ich mir die Mühe, einen Blog zu betreiben, wenn ich nicht hin und wieder meine zwei Cent Häme loswerden kann.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

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Geschrieben am 4. August 2009 • Abgelegt unter ÜberlegungenRivva

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